Begeisterung an der Lehre

Dhammapada 205

Pavivekarasaṃ pitvā, rasaṃ upasamassa ca;
Niddaro hoti nippāpo, dhammapītirasaṃ pivaṃ.

Wer schlürfte den Nektar
der Einsamkeit, des Friedens
Nektar, ist ohne Furcht & Fehl,
schlürft er dazu den Nektar
der Lehr-Begeisterung.

 

 

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Fleischwolf

Der Schlummerschöpfer drehte an der Weltenkurbel. Es kam Faschiertes heraus.

Buddhismus wie Daoismus, von manchen zu den Religionen gezählt, sind Weisheitslehren ohne Schöpfergott − der eine transzendent, der andere immanent.

Fakirs Hoffnung. Schwer hoffte schwer, dass seine Hoffnung nie mehr erwachte (doch ruhte sie auf einem Nadelkissen).

»Es ist, was es ist«, sagt der Gleichmut. Die Liebe vergöttert und schlägt dann um.

Ich? ‒ Lebendiger Widerspruch, bemüht, ihn auszuräumen.

Schreiben gewährt Vergessen.

Das Böse ist kein Missverständnis.

Täler wuchsen ihm in den Himmel, aus dem er unermüdlich Denkberge abtrug.

Kleine Prüfungen − wenn Bastlers Bohrer tobsüchtige Kinder toppt pp. − willkommen heißen, um von den nächstgrößeren nicht überwältigt zu werden.

Pur. Wer das Unvermischte kennt, der kann auch mischen. Nur sollte sie nicht vergessen, von Zeit zu Zeit die Erinnerung an die Bestandteile der Mischung aufzufrischen.

Die Lehre entstand nicht, doch bestand in der Debatte.

Gute Musik machte den Lärm der Kreuzung zur Musik.

Sucht und Suizid gehören zu den Berufskrankheiten der Literaten. Gründlicher noch vernichtet der Ehrgeiz den Minderdichter.

 

ZOFF KOMMT VON ZASTER

Ja, wenn Zoff Zaster wär, dann wär ich Millionär.
Doch blieb ich armer Schlucker gern,
bliebe Zoff den Klugen fern,
die den Zaster meiden gern.

Und bliebe Zoff den Dummen fern,
die der Zaster meidet gern,
ich schaute gern den Reichen zu,
von früh bis spät schaute ich fern.

Ich ließ die Finger von dem Stoff,
der dummen Zoff auch Klugen bringt.
Denn Zoff kommt von Zaster,
nicht Zaster von Zoff.

Zoff ist nicht Zaster,
doch Zaster zeugt Zoff.
Und Stoff wär kein Laster,
braucht Laster keinen Stoff.

 

CALL ME PARADOX

Links der Abgrund,
rechts die Schlange,
lebensmüd voll Todesangst
fröstelt der Verschwitzte.

Es futtern die Dicken,
die Dünnen erbrechen,
der eben noch Durst litt,
im Fluss nun ertrinkt.

Zum Schlafen zu müde,
zum Sterben zu krank,
zum Leben zu wenig,
zum Darben grad recht.

Ungern in Gruppen,
verloren allein,
Wurm in den Büchern,
wirst Specht du im Tod.

 

TÄTERVOLK

Wir sind den Feinden turmhoch über-
legen, deren Opfer wir doch sind.
Wählt die sturmfesten Türme
geopferter Sieger!

Wir sind an der Macht,
unsere Gegner sind schuld.
Bringt der schuldlosen Macht
ein wohlüberlegtes Opfer!

Wir siegen & siegen: Fürchtet euch
vor dem Feind, dem unter-
gehenden Kernvolk
todgeweihter
Täter!

 

Das Schildkröten-Gleichnis

Eine Übersetzung von Saṃyutta Nikāya 35.240 (Kummopamasuttaṃ)

An einem Abend vor langer Zeit begab sich eine Halsberger-Schildkröte* an einem Flussufer auf Nahrungssuche. Am selben Abend begab sich auch ein Schakal an jenem Flussufer auf Nahrungssuche. Als die Schildkröte von ferne den Schakal auf Nahrungssuche sah, zog sie die Glieder − mit dem Hals als fünftem − unter ihren Panzer zurück; so verharrte sie still & regungslos. Als der Schakal von ferne die Schildkröte auf Nahrungssuche sah, näherte er sich ihr und schlich um sie herum: »Sobald die Schildkröte eines ihrer Glieder − oder den Hals als fünftes − herausstreckt, werde ich es packen, abreißen & fressen.« Doch als die Schildkröte keines ihrer Glieder − noch den Hals als fünftes − herausstreckte, verlor der Schakal, da er keine Gelegenheit bekam, das Interesse an ihr und machte sich davon.

In gleicher Weise, ihr Mönche, schleicht Māra der Böse kontinuierlich, ununterbrochen um euch herum: »Vielleicht bekomme ich eine Gelegenheit über das Auge… das Ohr… die Nase… die Zunge… den Körper. Vielleicht bekomme ich eine Gelegenheit über den Intellekt.« So bewacht denn eure Sinnestore:

Seht ihr mit dem Auge eine Form, ergreift weder Vorstellungen noch Assoziationen, durch welche − lebtet ihr mit ungezügeltem Vermögen des Auges − böse, unheilsame Zustände wie Begierde oder Missmut euch überkämen. Übt seine Zügelung. Hütet das Vermögen des Auges, hält es in Schranken. Hört ihr mit dem Ohr einen Klang… Riecht ihr mit der Nase einen Duft… Schmeckt ihr mit der Zunge einen Geschmack… Berührt ihr mit dem Körper ein Tastobjekt… Erfasst ihr mit dem Intellekt eine Idee, ergreift weder Vorstellungen noch Assoziationen, durch welche − lebtet ihr mit ungezügeltem Vermögen des Intellekts − böse, unheilsame Zustände wie Begierde oder Missmut euch überkämen. Übt seine Zügelung. Hütet das Vermögen des Intellekts, hält es in Schranken.

Lebt ihr so mit wohlbewachten Sinnestoren, verliert Māra der Böse, da er keine Gelegenheit bekommt, das Interesse an euch − wie der Schakal an der Schildkröte − und macht sich davon.

 

Wie die Schildkröte ihre Glieder
unter dem eigenen Panzer birgt, so
der Mönch seines Herzens Gedanken:

Unabhängig, andere nicht verletzend,
völlig losgelöst, setzte er keinen herab.

 

 

* Kummo kacchapo. Beide Wörter bedeuten Schildkröte.

 

Reif für die Insel

Aus dem Cakkavattisuttaṃ (Dīgha Nikāya 26)

‘‘Attadīpā, bhikkhave, viharatha attasaraṇā anaññasaraṇā, dhammadīpā dhammasaraṇā anaññasaraṇā. Kathañca, bhikkhave, bhikkhu attadīpo viharati attasaraṇo anaññasaraṇo dhammadīpo dhammasaraṇo anaññasaraṇo? Idha, bhikkhave, bhikkhu kāye kāyānupassī viharati ātāpī sampajāno satimā vineyya loke abhijjhādomanassaṃ. Vedanāsu vedanānupassī…pe… citte cittānupassī…pe… dhammesu dhammānupassī viharati ātāpī sampajāno satimā vineyya loke abhijjhādomanassaṃ. Evaṃ kho, bhikkhave, bhikkhu attadīpo viharati attasaraṇo anaññasaraṇo dhammadīpo dhammasaraṇo anaññasaraṇo.

 

Lebt mit euch selbst als Insel, Mönche, euch selbst als Zuflucht, ohne andere Zuflucht. Lebt mit der Lehre als Leuchte, der Lehre als Zuflucht, ohne andere Zuflucht. Und wie lebt ein Mönch mit sich selbst als Insel, sich selbst als Zuflucht, ohne andere Zuflucht − mit der Lehre als Leuchte, der Lehre als Zuflucht, ohne andere Zuflucht?

Da weilt der Mönch beim Körper in Betrachtung des Körpers, energisch − achtsam − eingedenk, Begierde & Trübsal hinsichtlich der Welt verwindend. Er weilt bei den Gefühlen in Betrachtung der Gefühle… beim Geist in Betrachtung des Geistes… bei [allen anderen] Phänomenen in Betrachtung der Phänomene, energisch − achtsam − eingedenk, Begierde & Trübsal hinsichtlich der Welt verwindend. So lebt ein Mönch mit sich selbst als Insel, sich selbst als Zuflucht, ohne andere Zuflucht − mit der Lehre als Leuchte, der Lehre als Zuflucht, ohne andere Zuflucht.

 

***

Das Wort dīpa bedeutet sowohl Insel, Eiland als auch Lampe, Leuchte. Zu bedenken wäre hier auch das bekannte Bild von der Lehre als Floß. Hat man damit den Strom überquert − hat die Lehre ihren Zweck erfüllt, dann braucht man sie nicht mehr (mit sich herumzutragen). Das sichere Ufer des Nirwana ist die ultimative Zuflucht jenseits von Raum & Zeit.